Reisebericht einer Kreuzfahrt im östlichen Mittelmeer an Bord der Costa Fortuna

Nun werden sich viele fragen, warum wir AIDA nicht treu geblieben sind, sondern im Frühling 2010 eine Reise mit Costa unternommen haben. Das ist schnell erklärt: 2009 haben wir eine Mittelmeerkreuzfahrt mit AIDAbella gemacht, zu der es hier bereits einen Reisebericht gibt. Wir wiederholten in jenem Sommer einfach die Reise, die uns im Vorjahr an Bord der AIDAdiva so gut gefallen hatte. Wiederholt haben wir die Reise damals auch aus Mangel an Alternativen. Die Flotte verfügte damals noch über sechs Schiffe, mit denen die verschiedenen Gebiete befahren wurden. Wir hatten konkrete Vorstellungen, von unserem Reiseziel und so blieb uns im fraglichen Zeitraum nur die gleiche Reise noch einmal zu machen. Im Hafen von Neapel „trafen“ wir dann zum ersten Mal auf die Costa Concordia, die uns – mehr oder weniger – auf der gesamten Reise begleitete. Wir haben also heute ein gut gehütetes Fotoalbum voller schöner Bilder. Gut gehütet – weil es neue Aufnahmen der Concordia nie mehr geben wird. In einigen Häfen hatten die Schiffe so nah beieinander festgemacht, dass wir einen tollen Ausblick auf das Pooldeck der Concordia hatten. Gemeinsam stellten wir fest, dass Costa durchaus eine Alternative sein könnte. Da die verwandtschaftlichen Grade zu AIDA und Carnival Cruises ja durchaus bekannt sind, dachten wir uns in gute Hände zu begeben.

Planmäßig flogen wir nach Venedig und wurden dort auch sofort am Flughafen von Costa – Mitarbeitern in Empfang genommen. Diese zeigten sich zwar an unserer Ankunft weitaus weniger interessiert, als man das von AIDA kennt, aber das verunsicherte uns erst einmal nicht. Wir bekamen die Karten für den Bus und fanden selbigen auch auf Anhieb. Nachdem der Bus gut gefüllt war, startete der Fahrer den Motor und …..verschwand. Die anwesende (immerhin deutschsprachige) Reiseleiterin konnte sich sein Verschwinden zwar auch nicht erklären, fand es aber nicht weiter ungewöhnlich. Nach einer knappen halben Stunde erschien der Fahrer wieder und brachte uns zum Hafen. Dort angekommen, musste jeder Gast seine Koffer selbst aus dem Bus laden und eigenhändig dem Hafenpersonal übergeben. Dann ging es weiter Richtung Hafenterminal. Das Schiff konnten wir dahinter bereits liegen sehen, nur drauf durfte keiner. Wir bekamen eine Nummer für die Einschiffung und übten uns in Geduld. So verbrachten wir fast sieben Stunden abwechselnd auf den Plastikstühlen in der Halle und draußen auf der Hafenmauer. Ob das nun an den Hafenbehörden oder an der Reederei lag, haben wir nicht herausfinden können. Wir werden es nächsten Sommer noch einmal ausprobieren.

Dann musste alles ganz schnell gehen, denn schon am frühen Abend sollte das Schiff auslaufen. Die Koffer waren auf den Kabinen, aber wir hatten natürlich noch nicht ausgepackt. Umgezogen waren wir erst recht nicht. Für das Abendessen gab es feste Tischzeiten und wir hatten nun die Wahl, ob wir die Ausfahrt aus der Lagune von Venedig sehen, oder lieber Essen gehen wollten. Nach einem Blick auf die Speisekarte vor dem Restaurant haben wir uns für die Lagune entschieden.

Als ordentliche Kreuzfahrer erinnerten wir uns dann an unsere Pflicht, uns mit den Rettungsmitteln vertraut zu machen. Nach eingehendem Studium des Posters an der Innenseite der Kabinentür, machten wir uns auf die Suche nach unserer Musterstation. Die Suche endete vor abgeschlossenen Türen auf dem Rettungsdeck. Da wir nicht die einzigen Suchenden waren, wurde bald ein Mitarbeiter auf uns aufmerksam und fragte ob wir uns verlaufen hätten. Er hat uns lautstark klar gemacht, dass wir nichts auf dem Rettungsdeck verloren haben, sofern nicht gerade die Übung stattfindet. Bis zur Übung lag noch eine ganze Nacht und ein erster Hafen vor uns. Die Concordia war ja noch nicht gesunken. Trotzdem erreichten wir am nächsten Morgen sicher den Hafen von Bari. Schön war, dass wir unser Frühstück draußen einnehmen konnten. Die Kaffeetrinker empörten sich allerdings über die Plastikgefäße, aus denen sie trinken mussten. Wer die Ellbogen allzu lange auf dem Tisch aufstützte, blieb daran kleben. Im Gegensatz zu unserer Kabine, die täglich gleich zweimal gereinigt wurde, wurden die Tische selten abgewaschen.

Die Balkonkabine allerdings war geräumig, sauber und für zwei Erwachsene und ein Kind mehr als ausreichend. Immerhin handelte es sich bei dem Zustellbett einmal nicht um den schon mehrfach besprochenen ausgeklappten Sessel.

Der Landausflug auf Bari fiel eher kurz aus, da die Passagiere sich noch vor dem Mittagessen zur Übung einzufinden hatten. Wir werden nach dem nächsten Urlaub hoffentlich mehr von Bari zu erzählen haben.

Die Seenotrettungsübung vermittelte uns zum ersten Mal an Bord eines Kreuzfahrtschiffes ein „Titanic-Gefühl“. Hatten wir auf anderen Reisen noch unter unserem jeweiligen Rettungsboot den Anweisungen gelauscht, standen wir nun direkt davor. Männer hatten hinten zu stehen, Großväter ganz an der Wand, dann die jüngeren Männer. Frauen und Kinder davor. Wehe jemand wagte es, einen Millimeter zur Seite auszuweichen. Kinder schrien, weil der falschen Familie zugeordnet. Wer mehrere Kinder hatte, musste schließlich welche an die Reihen ohne Kinder abgeben. Die Crew kannte kein Erbarmen. Dafür wussten wir anschließend nicht nur in welches Boot, sondern exakt auf welchen Platz wir uns im Ernstfall begeben müssten – sofern die Türen nicht abgeschlossen sein würden. Nachdem die Ansagen in allen erdenklichen Sprachen abgespult waren, wurden wir erlöst.

Das Mittagessen hielt die nächste Überraschung bereit. Auf Anraten der Dame am Telefon hatten wir vor der Reise bereits Getränkepakete gebucht, die die Getränke zu den Mahlzeiten einschlossen. Ein entsprechendes Zeichen war auf den Bordkarten vermerkt. Nachdem die Kellner nun einmal herausgefunden hatten, dass die Getränke schon im Voraus bezahlt waren, kamen sie erst gar nicht mehr. Hatte man doch mal einen rechtzeitig vor seiner Flucht erwischt, musste man ihm mehrfach an die bestellten Getränke erinnern. Schlimmer noch, nach der Rückkehr von einem Landausflug an einem recht heißen Tag, wollte die Bedienung an der Bar unserem Sohn kein Getränk geben, da es noch nicht Zeit für das Mittagessen war. Wir hatten es ja gar nicht umsonst haben wollen! Trotzdem sind wir nur unter Androhung einer Meldung an die Reederei bedient worden – und das auf dem Pooldeck. Das Essen im Buffetrestaurant, wo das Mittagessen eingenommen wurde, war nahezu ungenießbar.

Beim Abendessen standen jeweils drei Gerichte zur Auswahl. Für die Erwachsenen von Abend zu Abend verschiedene, für die Kinder immer die Gleichen. Der Kellner lächelte später verstehend, wenn wir mit unserem Sohn die Teller tauschten. Ein Weinpaket hatten wir auch schon im Voraus gebucht. Finden konnten wir den Wein erst einmal nicht. Erst eine Debatte mit der Reiseleiterin ergab, dass wir den Wein abends im Restaurant erfragen mussten. Wir wollten ihn aber gar nichts zum Essen haben und waren damit auch nicht die Einzigen. So zog Abend für Abend eine Prozession Passagiere mit Weinflaschen unter den locker über den Arm getragenen Jacken aus dem Restaurant in Richtung der Kabinen. Dorthin wurden die Flaschen zum späteren Verzehr auf dem Balkon evakuiert. Nur wenn sich gerade Personal in der Kabine aufhielt, um die Betten aufzudecken, musste die Flasche eine weitere Runde über das Schiff getragen werden.

Nächste Station war Santorini. Da das Schiff hier nicht im Hafen festmachen kann, bleibt es auf Reede liegen und die Passagiere werden mit Booten an Land gebracht. Die Organisation dieses Transports klappte überraschend gut. Am Vorabend hatten wir bereits die Möglichkeit eine Nummer abzuholen, die mit einem Boot und einer festen Uhrzeit verbunden war. Zurück aufs Schiff konnte jeder nach seinen eigenen Wünschen. Wir waren bereit, den Aufstieg nach Thira zu Fuß zu bewältigen und „buchten“ in den Annahme, wir könnten das Tier führen, für unseren Sohn ein Maultier. Für ein paar Euro setzte uns der Eseltreiber aber gleich alle drei in die nicht vorhandenen Sättel und nachdem wir unsere Überraschung überwunden hatten, machte der Ritt viel Spaß! Die Stadt bot einen einzigarten Ausblick auf das Meer und „unser“ Schiff und die Promenade lud zu einem Spaziergang ein. Den Abstieg haben wir dann aber alle drei zu Fuß gemacht.

Schon am selben Abend machte die Costa Fortuna auf Mykonos fest. Zwei Häfen an einem Tag waren uns eigentlich zu viel, und da wir erst mit einem Bus in die Stadt hätten fahren müssen, verbrachten wir den Abend auf dem Schiff. Gute Unterhaltungsmöglichkeiten wurden aus unserer Sicht aber nur den Kindern geboten. Während unser Sohn bis spät in die Nacht beim „Donoughtsbacken“ war, verfolgten wir auf der Kabine aufmerksam das heimische Fernsehprogramm.

Unser nächstes Ziel war Katakolon. Hier unternahmen wir einen Ausflug nach Olympia. Im Bus tropfte Öl aus den Luftdüsen über unseren Köpfen. Aus den Haaren haben wir es herausbekommen, aus den Shirts leider nicht. Wer geschichtlich sehr interessiert ist, den mag Olympia begeistern. Wir haben mehr mit den Ameisen gekämpft, als den doch sehr ausführlichen Vorträgen zu lauschen. Um das Hafenbecken in Katakolon gibt es einen tollen Markt, der viel mehr zu einem Besuch einlädt. Zum Glück bot sich die Möglichkeit noch vor der Rückkehr auf das Schiff.

Der nächste Tag war ein Seetag. Es war heiß genug zum Schwimmen. Nach der Sichtung menschlicher Ausscheidungen im Pool haben wir trotzdem darauf verzichtet. Außerdem waren es keine Süßwasserpools und wir hatten den Eindruck, das Wasser würde direkt aus dem Meer angesaugt. Es war ganz ohne Strand reichlich Sand im Becken.

Am Abend verabschiedete uns der Kapitän bereits feierlich. Wir hatten zwar noch einen weiteren Hafen vor uns, und würden erst am übernächsten Tag nach Hause fliegen, aber uns wurde bereits das Gefühl vermittelt, die Reise sei zu Ende.

Dafür entschädigte uns Dubrovnik am nächsten Tag! Eine wunderschöne Stadt, gastfreundliche Kroaten und viel Sehenswertes. Es würde sich lohnen, einen eigenen Bericht zu dieser Stadt zu schreiben. Wer mehr darüber wissen will, dem empfehle ich das entsprechende Kapitel in „Poolradio – Kreuzfahrt und andere Hits“. Übrigens muss auch hier wieder mit dem Boot übergesetzt werden. Auch das klappte reibungslos. Bei uns musste zwar einmal der Fahrer ausgetauscht werden, weil unserer es nicht schaffte, die Tenderpforte zu treffen, aber es war sehr unterhaltsam.

In der Nacht befanden wir uns auf dem Rückweg nach Venedig. Seltsame schwarze Rauchwolken stiegen aus dem Kamin und ich rechnete im Geiste nach, wie weit es noch bis Venedig war und ob wir das notfalls im Rettungsboot schaffen könnten. Wir haben es ganz ohne Rettungsboote geschafft. Dafür dass es in Venedig dann regnete, konnte die Crew natürlich nichts. Dass wir im Regen gefrühstückt haben, war auch nicht weiter schlimm, immerhin wurden die Tische sauber. Dafür gab es nur noch halbvolle Saftbecher.

Anschließend konnte uns die Besatzung nicht schnell genug von Bord bekommen. Erstaunlich wenig Busse warteten im Hafen auf die vielen Passagiere. Wir sind dann auch prompt in den Falschen eingestiegen. Es war der ausgewiesene Platz für die Shuttlebusse, aber der Bus fuhr nach Zürich. Ein Streik hatte alles durcheinander gebracht, und keiner der anwesenden Mitarbeiter sprach Deutsch oder Englisch. Unser Italienisch hat für diese Kreuzfahrt leider nicht ausgereicht. Wir haben es zwar letztendlich noch rechtzeitig zum Flughafen geschafft, aber im Jahr darauf sind wir wieder AIDA gefahren!